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Auf der sicheren Seite Titel: Auf der sicheren Seite
Dokumentation

Regisseur: Corinna Wichmann / Lukas Schmid
Land: Deutschland
Jahr: 2009
Länge: 80 Minuten
Sprachfassung: englisch
Untertitel: deutsch
FSK: ohne Altersbeschränkung

Beschreibung

Seit 2007 lebt die Mehrheit der Menschen weltweit in Städten. Auf allen Kontinenten wachsen immer mehr Städte zu Megacities heran. Die Privatisierung des städtischen Raumes wird immer häufiger zum Ausweg aus den ungelösten Problemen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten. Die Auflösung der städtischen und sozialen Gemeinschaft schreitet voran: hohe Mauern, Elektrozäune, Videoüberwachung und bewaffnete Sicherheitskräfte sind eine Antwort der höheren Einkommensklassen auf diese Entwicklung. In sogenannten "Gated Communities" wird ihnen ein Leben "auf der sicheren Seite" garantiert. Der Dokumentarfilm von Corinna Wichmann und Lukas Schmid zeigt Innenansichten von drei Gated Communities auf drei Kontinenten:

Wir treffen die Immobilienmaklerin Brenda in ihrer Community Dainfern, in Johannesburg/Südafrika, einer Stadt mit den höchsten Mordraten der Welt.

Wir begleiten Mr. Misra durch seine Community Palm Meadows in der überbevölkerten und chaotischen Stadt Bangalore / Indien.

In Las Vegas lernen wir Stacy kennen, der in seiner exklusiven Community Spanish Trail nach wahren Freunden sucht.

Der Film zeichnet ein komplexes Bild der Gated Communities. Durch das detaillierte Porträt von Bewohnern und Bediensteten, von Lebensumständen inner- und außerhalb der privatisierten Areale bietet der Film eine selten mögliche Innenansicht des Lebens "Auf der sicheren Seite".

Spanish Trail in Las Vegas / USA

Stacy Standley ist nach Spanish Trail gezogen, weil er einen Kompromiss mit seiner Frau suchte. Sie wollte Glamour, arbeitet in einer schicken Boutique im angesagten Hotel/Casino Wynn. Er wollte Natur und Freiheit, schließlich war Stacy immer ein begeisterter Sportler und Abenteurer. Er arbeitete für den World Wildlife Fund in Indien, war Bergsteiger, erkundete neue Skigebiete, indem er per Fallschirm aus Hubschraubern sprang. 49 Jahre lang war Stacy Junggeselle, mit vielen weiblichen Begleiterinnen, mit einem regen sozialen Leben in Aspen, wo er sogar Bürgermeister war. Dann lernte er Poochie kennen, die verwitwete Inderin, die früher Modell war und Stacys Herz eroberte. Sie nahmen einen Hund in ihre Familie auf, an dem sie hängen wie an einem Kind. Nun ist ihr Hund Scooter alt und kann nicht mehr fliegen, was das Leben für Poochie und Stacy schwierig macht. Aber sie haben Pläne: Sobald Scooter gestorben ist, wollen sie die Stadt verlassen und im Winter in Indien, im Sommer in Aspen leben.

Dainfern in Johannesburg / Südafrika

Brenda lebt seit 17 Jahren in der Gated Community und arbeitet als Immobilienmaklerin. Sie spielt begeistert Golf, liebt die Nachbarschaft und ist überzeugt davon, dass Südafrika eine großartige Zukunft hat.

Aufgewachsen als privilegierte weiße Bauerntochter während der Apartheid, ist sich Brenda der Diskrepanz zwischen arm und reich als natürlichen, unveränderbaren Zustand bewusst. Mit ihren freundschaftlichen Gesten ihrer Haushälterin gegenüber, mit den Charity-Aktionen, die sie organisiert, oder mit ihren Kleiderlieferungen in das Wellblechhüttendorf Zewenfontain überspringt sie diese Einkommensgräben auf ihre warme und großherzige Art. Was ihr allerdings als Weltverbesserung ausgelegt werden könnte, ist in Wirklichkeit auch Selbstzweck. Sie positioniert sich mit diesen Gesten ganz bewusst auf der Seite der Einkommenselite, der Seite der wirtschaftlichen Gewinnern. Ihr Wunsch hinter den Mauern von Dainfern zu wohnen, hat seinen Ursprung nicht nur im Schutz vor Gefahren. Diese Wohnform ist für Brenda vielmehr auch Rangabzeichen ihrer sozialen Schicht: Der Wohnort wird zum Leistungs-, das karitative Gewissen zum Zugehörigkeitsbeweis.

Palm Meadows in Bangalore / Indien

Zur Zeit des Drehs hat Mr. Misra gerade auf die Parlamentswahlen in Indien hingearbeitet. Er musste sich entscheiden, ob er die konservative oder die linke Partei bedient. Entschieden hat er sich für die Rechten. Aber seine politische Kraft ist dennoch gering geblieben. Das hat er sich bestimmt anders ausgemalt, schließlich war er Gewinner einer Show, "Indien sucht den neuen Führer", eine politische Talentshow, die er gewann. Mr. Mirsa lebt als indischer Familienvater, als erfolgreicher Unternehmer und als Bewohner einer Gated Community, in einem bewusst eingerichteten Mikrokosmos. Er lebt in einer selbst gestalteten Blase, die seinem Ideal von westlicher Lebensqualität - so sehr Indien das überhaupt zulässt – am nächsten kommt. Dieser Entwurf wäre natürlich für alle Bewohner Indiens und Bangalores erstrebenswert, bleibt aber für die meisten Inder in naher Zukunft Utopie. Morgens bringt Misra seine Kinder zum Schulbus, geht dann im Clubhaus schwimmen. Danach beantwortet er Emails und liest. Oft hat er PR-Termine in der Stadt, wird als Redner eingeladen, dann fährt ihn sein Chauffeur durch die Stadt, durch die quälenden Autoschlangen im Dauerstau.

Der Stau, die fehlende Infrastruktur, das sind Misras Themen. Er träumt und kämpft für ein strukturiertes und organisiertes Indien. Wenn es in seiner Gated Communitiy klappt mit der Ordnung und Sauberkeit, dann muss es doch auch draußen funktionieren. So will er den Kokon, in dem er lebt, sukzessive auf ganz Indien übertragen – oder mindestens so viel verbessern, wie es nur geht, und davon würden alle profitieren. realfictionfilme.de

Abgeschottete und bewachte Wohnanlagen

Gated Communities sind bewachte Wohnanlagen für die gehobene Mittelschicht oder Oberschicht, die meist durch einen Zaun oder eine Mauer vom Rest der Gesellschaft abgeschottet werden. Die Größe der Anlagen variiert von einigen separierten Wohneinheiten bis hin zu komplexen Siedlungen für bis zu 100 000 Einwohner, die über eine eigene Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Krankenhäusern verfügen. Die erste Gated Community wurde um 1850 in den USA gegründet, mittlerweile leben über 10 Millionen Amerikaner in bewachten Wohnanlagen. Neben den Vereinigten Staaten finden sich Gated Communities vor allem in Ländern mit erheblichen sozialen Ungleichgewichten, etwa Südafrika, Brasilien, Argentinien oder anderen ehemaligen Kolonialstaaten. Seit Mai 2008 ist die erste Gated Community in Deutschland, die in Potsdam errichtete Arcadia, komplett ausverkauft. Alexander Kruse

Immer mehr Menschen leben freiwillig hinter Elektrozäunen und lassen sich von bewaffneten Sicherheitskräften beschützen. Die Filmemacher haben Gated Communities in Las Vegas, im indischen Bangalore und in Johannesburg besucht. Ihre Aufnahmen dokumentieren die soziale Verelendung der Reichen, die ein normiertes Leben führen und sich gegenseitig überwachen. Fazit: Hinter Gittern: das armselige Leben der Superreichen. cinema.de

Überall auf der Welt schreitet die Urbanisierung voran und es bilden sich sogenannte "Megacities". Wer es sich leisten kann, setzt auf Privatbesitz und grenzt sich von der ärmeren Bevölkerung mit Mauern und Zäunen ab. Es entstehen "Gated Communities" mit höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Drei Menschen, die in "Gated Communities" in Südafrika, den USA und Indien leben, berichten vom Alltag innerhalb der geschlossenen Wohnanlagen.

Die Dokumentation von Corinna Wichmann und Lukas Schmid zeichnet ein umfassendes Porträt vom Lebensalltag in der "Gated Community". Außer den Wohneigentümern kommen auch deren Bedienstete zu Wort. Geschildert werden natürlich nicht nur die paradiesischen Aspekte, das Gefühl "auf der sichern Seite" zu sein, sondern auch die Schattenseiten, die ungelösten gesellschaftliche Konflikte, die schwindende Freiheit in unserer globalisierten Welt. Dennoch nehmen die Regisseure eine beobachtende Rolle ein, ohne zu urteilen, und lassen die Gated Community in all ihrer Zwiespältigkeit erscheinen. kino.de