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Titel: Das Summen der Insekten - Expedition ins JenseitsEin filmisches Essay
Regisseur: Peter Liechti
Land: Schweiz
Jahr: 2009
Länge: 88 Minuten
Sprachfassung: deutsch
FSK: ungeprüft
Beschreibung
Nach der Novelle "miira ni narumade" von Masahiko Shimada – auf Grund einer wahren Geschichte.
Eine Literaturverfilmung. Ein filmisches Essay.
Ein Experimentalfilm über das Sterben und das Leben.
Ein junger Mann dokumentiert sein Sterben und sein Warten auf den Tod in einem Tagebuch. Ein 80 minütiges Nahtoderlebnis.
Im tiefen Winter findet der Jäger S. im abgelegensten Waldstrich des Landes die Mumie eines etwa 40-jährigen Mannes. Aufgrund der minuziösen Aufzeichnung des Toten stellt sich heraus, dass der Mann im vorhergegangenen Sommer Selbstmord durch Verhungern begangen hatte. "Das Summen der Insekten" ist eine sehr persönliche Annäherung an einen fiktionalen Text, welcher wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein filmisches Manifest für das Leben – herausgefordert durch den radikalen Verzicht darauf.
Man hat ihn nicht identifiziert.
Niemand hat ihn vermisst. Und ganz offen kundig, war er sich dessen sehr bewusst. Ein Mann um die 40 geht mit einer Plastikfolie, ein paar Kerzen und einem Radio in ein abgelegenes Waldstück, um seinen Abschied von der Welt und dem Leben zu begehen. Selbstmord durch Verhungern? Drei Worte können das, was geschehen wird nicht wiedergeben. Sich vergehen lassen durch sich enthalten, macht den Willensprozess und den Reflexionsgrad, der dazu nötig ist schon deutlicher. Er führt Tagebuch, das bei der mumifizierten Leiche gefunden wird. Die Polizei ist darüber erleichtert, ein Verbrechen fand hier nicht statt. Ein Asket der dieser Welt entsagt hat? Eher jemand dessen Neugierde und Emotionalität von der bestehenden Welt unterfordert war und der, wie ein Forschungsreisender den Übergang in eine andere Welt so bewusst wie möglich erleben wollte.
Wenn er am Anfang erzählt, was er auf seine Reise mitnimmt, ein paar Plastikplanen, Kerzen und Batterien für ein Kofferradio, kann man an ein Kind denken, das von zu Hause ausreißt und das, wenn der Hunger kommt, gewiss nicht lange wegbleiben wird. Und genauso, wie man die Frage nach dem Weglaufen nicht beantworten kann, kann man nicht verhehlen, dass es hier eine Geburt und eine Verwandlung angestrebt wird.
Jemand besinnt sich in radikalstem Sinne auf sich selbst, um einen Übergang in eine andere Welt zu schaffen, eine vor allem christliche Kulturen provozierende Selbsterlösung. Eine Reise über den Rand der Welt.
Zurück bleiben, ein Zelt aus Plastikplanen, eine Mumie und ein Tagebuch.
Der Fall beschäftigt die japanischen Medien.
Der bekannte japanische Autor und Theaterregisseur Shimada Masahiko (*1961) publiziert in seiner Anthologie Arumajiro-ô ("Der Gürteltierkönig") im Jahr 1991 einen auf diesem Vorfall basierenden Text: Miira ni naru made ("Bis ich zur Mumie werde", zuerst erschienen im Magazin Chûôkôron, Winter 1990). Der dramatische Monolog schildert aus der Tagebuchperspektive den sich über sechzig lange Tage hinziehenden Hungertod eines Mannes. Der Text verbreitet sich in der globalen Theaterszene.
2005 gelangt der Schweizer Filmemacher Peter Liechti in den Besitz einer musikalischen Bearbeitung des Textes und ist fasziniert.
Mit dem Europäischen Filmpreis, Prix ARTE, ausgezeichnetes filmisches Essay über das Sterben und die ganz persönliche Frage nach der eigenen Haltung zum Tod.
Der Tod als Rückzug aus der Leistungsgesellschaft, ein Akt radikaler Verweigerung. Peter Liechtis international preisgekrönter Dokumentarfilm nähert sich dem Tabu-Thema in einer Mischung aus Essay, Literaturverfilmung und Experimentalfilm. Nach der auf einer wahren Geschichte beruhenden Novelle "Miira ni narumade" des Japaners Masahiko Shimada verbindet er das bewusste Verlassen dieser Welt mit einer Kritik am Materialismus und einem Manifest für das Leben.
Im Winter findet ein Jäger in einem einsamen Waldstück einen mumifizierten, ungefähr 40-jährigen Mann, dessen akribischen Aufzeichnungen ist Suizid durch Verhungern im Sommer zuvor zu entnehmen. Nach einer letzten Mahlzeit in einem Fastfood-Restaurant geht der Unbekannte mit einer Plastikfolie, einem Radio, einem Liter Wasser und ein paar Kerzen in die Einöde, um sich in einem selbst gebastelten Zelt dem Hunger hinzugeben. 62 Tage dauert es, bis der Körper den Kampf aufgibt. Während dieser Zeit geschieht nichts, die Stimme der Sprecher beschäftigt sich mit körperlichen Befindlichkeiten, auch intimen, wie Stuhlgang, tröpfchenweises Urinieren oder schrumpeligem Penis, dem zunehmendem Schmerz als letztes Aufbäumen gegen den Tod. Daneben wird die seelische Wanderung und die verstandesmäßige Reflexion der Situation geschildert, zu der Regen, Wind, Flugzeuge und "Das Summen der Insekten" die natürliche Geräuschkulisse bilden, neben Musikfetzen, Gesangsfragmenten und einem Mix arrangierter Töne.
Konträr zu Filmen wie "Hunger" oder "Schmetterling und Taucherglocke" bleibt der Körper unsichtbar, der Zuschauer nimmt die Perspektive des Selbstmörders ein. Der dramatische Monolog der Tagebucheinträge in Voice Over wird unterlegt mit subjektiven und assoziativen Bildern - farbigen von Wald, Lichtung und Himmel, schwarz-weißen von Imaginationen von Menschen in der Stadt, Gesichtern hinter Straßenbahnfenstern, Frauenhaare im Wind, Wellen. Die Meditation über Tod und Entmenschlichung modernen Lebens folgt dem Protagonisten auf seine halluzinatorische Reise ins Jenseits und schließt mit dem Satz "da ist Licht". Ein irritierendes und faszinierendes Meisterstück. mk/kino.de
"Das Summen der Insekten" ist Wahn, Rausch, Dokumentation eines Sterbens, vielleicht sogar des Sterbens schlechthin, ein gewaltiger und gnadenlos subjektiver, gleichsam körperloser Essay über eine radikale Weltverweigerung, das von der ersten bis zur letzten Minuten fesselt, fasziniert und verstört und sich dem Gehirn des Zuschauers förmlich einbrennt. Die Fragen, die er aufwirft nach dem Sinn des Lebens, nach dem Tod und der eigenen Haltung beidem gegenüber, sie wirken lange nach und lassen einen nicht mehr so schnell los. Kino-Zeit.de
