Filmarchiv
Alle Filme des Programmangebotes.
Eine Suche ist mit Namen oder Namensteilen möglich.
Titel: Land: Person: Jahr:
 
Kleine Wunder in Athen Titel: Kleine Wunder in Athen
Originaltitel: Akadmia Platonos

Regisseur: Filippos Tsitos
Land: Griechenland / Deutschland
Jahr: 2009
Länge: 103 Minuten
Sprachfassung: griechisch
Untertitel: deutsch
FSK: ohne Altersbeschränkung

Beschreibung

Für Stavros läuft seit dem Schlaganfall seiner Mutter nichts mehr wie gewohnt. Ständig muss er auf sie aufpassen, seine Frau Dina hat ihn verlassen und er leidet unter Schlaflosigkeit. Viel mehr als das stolze Bewusstsein, ein echter Grieche zu sein, hat Stavros nicht im Leben  und auch das wird erschüttert, als eines Tages ein Albaner in seinem Viertel auftaucht und seiner Mutter als ihr lang verlorener Sohn wiedererkannt wird.

Stavros betreibt einen kleinen Laden in einer mehr als ruhigen Straße von Athen. Das heißt eigentlich besteht seine Tätigkeit daraus, morgens einen Tisch mit vier Stühlen vor den Laden zustellen, um zusammen mit seinen drei Freunden dem Tag beim Verstreichen zuzusehen. Mit gespieltem Interesse nehmen sie das emsige Treiben der Chinesen zur Kenntnis, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen kleinen Laden umbauen oder empören sich, weshalb ausgerechnet in ihrer kleinen Straße ein Denkmal für die "Interkulturelle Solidarität" gebaut werden soll.

Doch als eines Tages ein Mann namens Marenglen (was die Zusammenziehung von "Marx, Engels, Lenin" ist) auftaucht und Stavros´ betagte und demente Mutter in ihm ihren lang verlorenen Sohn wieder zu erkennen glaubt, gerät Stavros Leben aus dem Gleichgewicht…

Eine wundervoll warmherzige Komödie um einen alternden Kioskbesitzer, der seine Identität verliert und dafür einen Bruder gewinnt. Ein Meisterwerk des skurrilen Humors und ganz nebenbei eine ausgesprochen gelungene Einführung in die griechische Ökonomie. neuevisionen.de

Ein etwas heruntergekommenes Stadtviertel in Athen: Der alternde und von seiner Frau verlassene Kioskbesitzer Stavros hängt den ganzen Tag mit seinen Freunden an seinem Kiosk herum und lästert über Albaner und Chinesen. Zuhause muss er sich um seine senile Mutter kümmern. Die hat ausgerechnet einen Albaner bei sich aufgenommen, den sie für ihren verlorenen Sohn hält und mit dem sie fließend albanisch spricht. Stavros schmeißt ihn sofort heraus, doch sein Selbst- und Weltbild ist schwer erschüttert.

Humor entspringt der Verzweiflung in dieser griechischen Komödie über einen apathischen Fremdenfeind, der sich plötzlich mit seinen albanischen Wurzeln konfrontiert sieht.

Diesen Schock verträgt der alternde Kioskbesitzer Stavros (Antonis Kafetzopoulos) nicht. Er wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, dass sein Weltbild zusammenbricht. Dabei weiß der schlaflose Melancholiker längst, dass sein Leben verpfuscht ist: Verlassen von seiner Frau Dina pflegt er seine trübsinnige, senile Mutter (wundervoll: Titika Saringouli), mit der er in einer kleinen Wohnung über seinem Laden haust in einem schäbigen, baufälligen Straßenzug Athens. Das Viertel heißt ausgerechnet "Akadimia Platonos" (übersetzt Platons Akademie), so der bitter-ironische Originaltitel. Stavros und seine Kumpels bilden ein Quartett abgewirtschafteter Verlierer, sitzen jeden Tag vor dem Laden herum und geben sich Ressentiments hin. Sie wähnen sich als stolze Griechen und pflegen ihre Abneigung gegenüber Albanern und Chinesen, die vor ihrer Nase um die Wette arbeiten.

Soweit kann man den Film des in Athen geborenen, seit 1991 in Berlin lebenden "Tatort"-Regisseurs Filippos Tsitos auch als Beitrag zur Griechenlandkrise betrachten, auch wenn er schon 2009 entstand. Doch Tsitos hat mit zielsicherem Spott eine Parabel im Sinne, die von Fremdenfeindlichkeit, Globalisierung und Menschlichkeit handelt. So hält Stavros Mutter den Albaner Marengelen (Anastas Kozdine) für ihren verlorenen Sohn und spricht in fließendem albanisch mit ihm. Stavros wirft ihn postwendend hinaus und stürzt in eine schwere Identitätskrise: Ist er nun Grieche oder Albaner? Mit lakonischem Understatement wird eine in ausgeblichenen Farben schimmernde, abrissreife Welt ohne Himmel und Natur geschildert, ein komisches Panorama, das längst nicht so bedrückend ist wie Stavros selbst. Er und seine Freunde wirken so angestaubt und verwaist wie ihre Kioske. Ein desolater Zustand, den Kafetzopoulos mit stoischer Mine ohne jede Gefühlsregung darstellt. Der herausfordernd gemächliche Film hingegen kennt sehr wohl Emotionen, etwa in der um ihr Glück gebrachten Mutter, und findet Gemeinsamkeiten bei Menschen, die nur ihre Unterschiede wahrnehmen. Die Menschen verbindet etwa auch die Liebe zum Classic Rock, der prominent im Soundtrack vertreten ist. So feiert Tsitos mit der Weisheit eines Platons durchwirkte Arthouse-Komödie über falsche Identitäten die Tugenden Nächstenliebe, Brüderlichkeit und den Mut zum Wandel und führt den Nationalismus ad absurdum. tk./kino.de